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Politik | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Deckt die Justiz die Schuldigen von Kaprun, Herr Dahlkamp?

Zwei deutsche Gutachter haben gegen die österreichische Justiz Strafanzeige erstattet. Ermittler aus Baden-Württemberg stellten bereits 2007 fest, dass die 16 Freisprüche im Prozess um die Brandkatastrophe in Kaprun auf offenbar falschen, möglicherweise sogar manipulierten Gutachten beruhen. Jürgen Dahlkamp, der für den Spiegel im Kaprun-Justizsumpf gräbt, erklärt die Entwicklungen.

Sind die 16 Freisprüche nachvollziehbar?

Es ist ja nicht die Aufgabe des Spiegel, Schuld- oder Freisprüche für Angeklagte zu verteilen. Nur, manchmal wurden die Fakten offenbar geradezu verbogen, damit sie ins Bild passten. Der juristische Weg war aus meiner Sicht äußerst zweifelhaft, und schon allein deshalb wäre eine neuerliche Überprüfung im Rahmen einer Wiederaufnahme von großem Nutzen.

Sehen Sie ein System hinter diesen „seltsamen“ Gutachten?

Solange es den Beweis dafür nicht gibt, muss ich davon ausgehen, dass es kein System dahinter gab. Aber merkwürdig sind diese Gutachten schon. Fest steht: Als die Staatsanwaltschaft Linz kürzlich die Verfahren gegen vier Gerichtsgutachter einstellte, tat sie das mit der Begründung, ein Vorsatz für Falschbegutachtung habe nicht nachgewiesen werden können. Nicht mit der Begründung, die Gutachten seien korrekt gewesen.

Was war denn nun der Grund für die Brandkatastrophe?

Die deutsche Polizei erklärte den Brand des Lüfters 2007, also nach den Prozessen in Österreich, damit, dass wahrscheinlich Öl in den Heizlüfter getropft ist, aus undichten Leitungen, die fahrlässigerweise unmittelbar über dem Heizlüfter montiert waren. Insofern liegen Fakten vor, die eine Wiederaufnahme des Kapruner Prozesses gerechtfertigt erscheinen lassen. Es fällt daher schwer zu verstehen, warum sich die österreichische Justiz – die Salzburger Staatsanwaltschaft ausgenommen – damit so schwertut.

Interview: B. Riedmann


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