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Bücher, kurz besprochen

Politik | Martin Gantner | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Der Krieg der Berichterstatter

Antonia Rados hat viel zu erzählen – von Kriegen in Afghanistan, am Balkan und im Nahen Osten. Die gebürtige Klagenfurterin und renommierte Kriegsberichterstatterin hat in Wien zwei Vorlesungen zur Poetik des Journalismus gehalten, die nun in Buchform vorliegen. Ergebnis ist die Skizze einer Profession, die Aufschluss darüber gibt, was Journalisten inmitten eines Kriegsschauplatzes leisten können und (noch wichtiger) was nicht.

„Die Kriegsreportage hat so viele Grenzen. Sie kann so wenig, meine ich.“ Die Journalistin gibt unumwunden zu, was Qualität in ihrem Beruf mitunter bedeutet: mit zweifelhaften Informationen vor der Kamera transparent umzugehen, die eigene Fehlbarkeit offenzulegen, um gerade so einen glaubhaften Eindruck von den Krisenherden zu vermitteln. Rados beschreibt auch den Wandel, den ihr Beruf über die Jahrhunderte erfahren hat – vom Helden, der vom Krimkrieg in der Mitte des 19. Jahrhunderts berichtete, bis hin zum „Bürger-Kämpfer-Kriegsreporter“, der mittels YouTube, Blog und Twitter immer und überall berichten kann. Die Autorität der Journalisten werde selbst auf den Schlachtfeldern infrage gestellt, ihre Aufgabe bestehe daher mehr denn je darin, Information von Propaganda zu unterscheiden. Das Buch liest sich bisweilen, wie sich verschriftlichte Reden oftmals lesen: ein wenig unzusammenhängend und sprunghaft, was bei 154 Seiten jedoch verkraftbar ist.

Antonia Rados: Die Fronten sind überall. Picus, 154 S., € 14,90


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