Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Politik | Martin Gantner | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Der lange Schatten der Muse im Hof der alten Männer

Über 100 männliche Augenpaare sind starr auf sie gerichtet. Sir Karl Popper starrt ebenso wie Gerard van Swieten, Leibarzt Maria Theresias. Alle schielen nach der Nymphe Kastalia, die inmitten des Arkadenhofs der Uni Wien auf einem Sessel sitzt und unbeeindruckt Richtung Ausgang blickt. Seit 120 Jahren wird im Innenhof der Uni nur männlicher Wissenschaftler gedacht. „Lediglich an die Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach erinnert eine Tafel“, sagt Iris Andraschek. Die Künstlerin präsentierte am Montag deshalb ihr Werk „Der Muse reicht’s“ – ein überdimensionierter Schatten, den die Nymphe auf den Asphalt wirft. „Der Schatten würdigt die Leistungen der Wissenschafterinnen.“ Wie jene der Soziologin Marie Jahoda, Studienautorin von „Die Arbeitslosen von Marienthal“, oder Charlotte Bühler, Mitbegründerin der Humanistischen Psychologie. Aber auch die Arbeit jener Frauen, die heute an der Uni arbeiten und forschen. 40 von ihnen standen für das Projekt Modell.


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