Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Anna Sawerthal | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Herr Zelmanovics, sind Alkolenker böse Menschen?

Durch Alkohol am Steuer wurden 2008 auf Österreichs Straßen 3600 Menschen verletzt und 52 getötet. In einem neuen Fernsehspot sind die Opfer aber keine Zahlen, sondern bekommen ein Gesicht. Jenes von Tobias. Er geht gerade von der Schule nachhause und wird von Stefan überfahren. Stefan hat zuvor seine Beförderung gefeiert und ein Gläschen Sekt zu viel getrunken.

Der Spot von Lowe GGK ist Teil einer Kampagne, die vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie in Auftrag gegeben wurde. Er personalisiert Opfer und Täter. Das Leben von Stefan, dem Alkolenker, wird mit dem Leben von Tobias, dem Unfallopfer, in kurzen Schnitten ineinander verschränkt.

„Das erste Mal auf eigenen Beinen“, sagt eine Stimme aus dem Off. Und meint damit den Krabbler Tobias, wenn er seine ersten Schritte macht, und auch den jungen Stefan, wenn er das erste Mal mit dem Auto fahren darf. „Das erste Mal zeigen, was wirklich in einem steckt“ kommentiert den Schüler Tobias, der Papierflieger auf seinen Lehrer schießt und gleichermaßen Stefan, der erste berufliche Erfolge erzielt. Dann ändert sich alles. Stefan überfährt Tobias. Nicht nur die beiden Protagonisten, auch der Zuseher wird aus der heilen Welt gerissen und auf dem Bildschirm prangt: „Alkohol am Steuer: Könnten Sie damit leben?“.

„Die Antwort ist natürlich ‚Nein‘“, sagt Alexander Zelmanovics, Creative Director der Kampagne. Der Spot lehnt sich stilistisch an „Die fabelhafte Welt der Amélie“ an. Sogar die Erzählerstimme in der Werbung stammt vom selben Sprecher wie im Film.

„Wir wollten den Zugang zum Thema über den Täter finden“, erklärt Zelmanovics. Der Alkolenker wird nicht als böse Person dargestellt, sondern als jemand, der einen Fehler macht. „Er ist ein Mensch wie du und ich.“


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