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Medien | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Google Latitude: wie der Chip für den Braunbären

Prüfbericht: Thomas Vašek

Wollen Sie wissen, wo Ihre Freunde gerade stecken? Ob sie zufällig in der Nähe sind? Sie brauchen sie nicht anzurufen. Mit Google Latitude können Sie sie per Smartphone oder Computer orten. Mithilfe von GPS-Daten und Handymasten ermittelt der Dienst Ihren Standort und teilt diesen Personen mit, die ebenfalls bei Latitude angemeldet sind. Seit kurzem schlägt Latitude auch Alarm, wenn sich Freunde in der Nähe befinden. Dazu nutzt Google einen Filter, der aus früheren Standortinformationen lernt, an welchen Orten sich jemand üblicherweise aufhält. Auf diese Weise kann der Dienst „gewöhnliche“ Annäherungen von Freunden, etwa am Arbeitsplatz, gezielt ausblenden. Angezeigt wird nur, wenn sich die Person an einem „unüblichen“ Ort nähert – sagen wir in einer U-Bahn-Station oder mitten im Wienerwald. Angeblich braucht der Google-Dienst eine Woche, um das entsprechende Bewegungsprofil rauszukriegen. Auf Datenschutz legt man dabei Wert: Die Standort-Historie wird nicht mitgeteilt, und der Nutzer kann seinen Standortverlauf löschen. Außerdem kann man tricksen und den eigenen Standort auch manuell eingeben. Zudem gehen Standortinformationen immer an beide Nutzer. Für Spionagezwecke taugt Tool also nicht. Und nervige Freunde, die mal wieder ums Stammlokal schleichen, lassen sich auch mit Latitude locker abschütteln – falsche Standortdaten genügen: „Sorry, bin grad auf Extremtrekking in der Wüste Gobi. Lass uns bei Gelegenheit mal telefonieren.“

Thomas Vašek ist Journalist und Buchautor in München


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