Tod war bei weitem nicht das Schlimmste

Feuilleton | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

In ihrem Debütroman zeichnet Yiyun Li ein erschütterndes Bild des verrohten postmaoistischen China

Buchkritik: Sigrid Löffler

Es war kein freier Schriftstellerverband, sondern die chinesische Zensurbehörde, die neulich in Frankfurt den „Gastland China“-Schwerpunkt gemeinsam mit der Buchmesse ausrichtete und dort mit Verboten um sich warf. Dennoch konnte die Pekinger Gesinnungs- und Kunstpolizei eines nicht verhindern: Sie konnte die Autoren des Landes – und erst recht die Emigranten – nicht abhalten, von dem zu erzählen, was die kritisch-realistische Gegenwartsliteratur Chinas als Hauptthema bewegt: die Deformationen des kollektiven Unbewussten der Chinesen durch die extremen Umbrüche der letzten Jahrzehnte.

Zukunftsoptimismus ist da wenig zu spüren. In den Büchern herrscht vielmehr ein drastischer Diskurs über das Thema Enthumanisierung der chinesischen Gesellschaft als Folge von Maos Kulturrevolution; geliefert werden Befunde über Entsolidarisierung, Rückständigkeit,


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