Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Eine Eloge auf den Christkindlmarkt

Klima beeinflusst Gesellschaft, sagen Historiker. Und Europa soll deshalb ein so brummendes Halbinselchen geworden sein, weil seine Bewohner kältebedingt weniger Erregern ausgesetzt waren als etwa jene von Äquatorial-Guinea. Die Theorie hat was für sich, führt aber zur Frage, wie man als Wiener dem Winter entkommen und sich ersehnten äquatorialen Zuständen annähern kann. Und flugs bieten sich überall Gelegenheiten dazu: die Christkindlmärkte. Elitäre Geister mögen sie als besoffene Zusammenrottungen meiden. Weniger Elitäre gehen zum Beispiel ins Museumsquartier, wo sie exakt dasselbe machen wie die Besucher am Rathausplatz, sich aber nicht dem vernichtenden Verdacht der Kitsch- und Schlageraffinität aussetzen müssen. Der Zweck ist natürlich derselbe: Christkindlmärkte stellen auf soziologisch ausgefeilte Weise Leben in der Kälte sicher. Man fraternisiert bei warmem Alkohol. Und wem das zu billig scheint, der kann sich alibihalber auf Glaskugeln, Bioseifen und sonstige Überflüssigkeiten ausreden. Also, Wiener: Trinkt Kiwi-Punsch!


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