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Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Rettet das Krankenhaus jetzt!

Karlheinz Tscheliessnigg, Chef der Chirurgie, warnt, es sei „Gefahr im Verzug“. Die Chirurgie an der Uniklinik ist baulich desolat und medizinisch bedenklich. Ärzte und Patienten leiden unter der Baustelle, ein Provisorium ersetzt das nächste. Tscheliessnigg berichtet von einem Gutachten, das besage, dass das Chirurgiegebäude in wenigen Jahren evakuiert werden müsse. Die Politiker wissen das alles, spätestens seit vor drei Jahren in einem OP-Trakt Fäkalien aus den Wasserleitungen spritzten und die Ärzte knöcheltief im Dreck wateten. Vergangene Woche die Hiobsbotschaft: Die Blutbank ist wegen baulicher Mängel, und weil sie nicht mehr den Gesetzen entspricht, von der Schließung bedroht.

Trotz der untragbaren Zustände haben Politiker in Bund und Land das Projekt LKH 2020 bisher nicht umgesetzt, das unter anderem einen Neubau von Chirurgie und Blutbank vorsieht. Das Land meint, der Bund müsse 40 Prozent der Kosten tragen, VP-Finanzminister Josef Pröll will nur 33 Prozent lockermachen. Die Differenz, so Tscheliessnigg, hätte man bereits herinnen, hätte man rechtzeitig mit dem Bau begonnen. Bloß um den Status quo zu halten, fließen jedes Jahr Millionen. Pröll gewährte den zuständigen Landesräten lange Zeit keinen Termin, obwohl Bettina Vollath (SP) wöchentlich darum ersuchte. Im Land stritten SPÖ und ÖVP zuletzt lieber, statt gemeinsam zu kämpfen. Am Montag kam es endlich zu Verhandlungen zwischen Bund und Land, Ergebnisse blieb man schuldig, am Dienstag wird weiterverhandelt, doch die Zeit drängt. Längst gilt für die Politik der gleiche Befund wie für die Chirurgie: desolat und eigentlich längst untragbar.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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