Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Speibe- statt Bleiberecht (Jeder darf sich auskotzen)

Ja. Passend zum letzten Mal, als es um Zeit und Kannibalen ging, lesen wir jetzt, dass in Russland in einem Kebabstandl in der Nähe von Perm Menschenfleisch verkauft wurde. Ein übler Gedanke, aber man sollte deswegen weder meine Kolumne noch Kebab vorschnell meiden, sondern sich ein Vorbild an der katholischen Jugend nehmen: Trotz Speiben bleiben hieß deren Aktion, in der es vor allem um freche T-Shirt-Fotos ging. Wenn man an diesem Wochenende Leserbriefe und Internetforen zur Situation eines 16-jährigen Mädchens, das frech ist und gerne bleiben würde, gelesen hat, möchte man schon wieder: speiben. Lauter rassistische Psychopathen unterwegs. Da sagt die katholische Jugend übrigens nix dazu, die ihre Aktion wegen der deutlich gebesserten Stimmung übrigens umbenannt hat in: aufbauen statt abhauen! Das passt auch wieder gut zu den Standard-Lesern, die der Familie vorwerfen, anstatt im Kosovo zu überleben und bisschen was aufzubauen, einen kalten Krieg gegen andere Ethnien zu führen. Es ist wie mit den realen Klos: Am meisten Bazillen holt man sich nicht auf den dreckigen Bahnhofsklos, sondern in den „feinen“ Cafés (das ist durch Studien belegt, stimmt echt, zumindest für Wien). Die besseren Sprüche stehen aber auf den öffentlichen. Man möchte einen Elch verspeisen und auf die Meinungsfreiheit scheißen.


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