Fragen Sie Frau Andrea

Weltuntergang. Wie wird’s werden?

Kolumnen | aus FALTER 47/09 vom 18.11.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

angesichts des Medienhypes um den neuen Roland-Emmerich-Film „2012“ hab ich im Netz zu recherchieren begonnen und mich auf Mayakalender- und End-of-the-World-Seiten herumgetrieben. Ich werde nicht ganz schlau. Kommt jetzt der Weltenbrand, oder ist das alles nur Chimäre?

Mit ernsten, aber nicht ganz unbesorgten Grüßen,

Martin Weber, per Elektronachricht

Lieber Martin,

Die cinematografischen Effekte von Hollywoods neuestem Doomsday-Movie sind gewiss einen Kinobesuch wert. Die apokalyptische Kitschorgie eines Vorarlbergers und eines Schwaben sind die neuesten Schichten am jahrzehntelang ausgewalzten Blätterteig astronomischer Vorhersagen zum Ende der Welt. Sie basieren lose auf der sogenannten „Langen Zählung“ des Mayakalenders, der für den 21. Dezember 2012, nach Ablauf einer 5126-jährigen Ära, die erstmalige Wiederkehr des Schöpfungstages postuliert. Dabei greift der Film die 1958 vom Polverschiebungsalarmisten Charles Hapgood vorgestellte Hypothese der Erdkrustenverschiebung auf, die, begleitet von Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Tsunamis, zum Weltuntergang führen soll.

Glaubt man den zahlreichen Autoren der 2012-Literatur, wussten die Mayas Dinge über den Himmel, die tausenden professionellen Astronomen mit Multimilliarden-Euro-Teleskopen, Sonden und Satelliten bisher verborgen geblieben sind. Aufgeklärte Wissenschaft hält offenbar nicht Schritt mit der mystischen Erkenntnis einer alten abergläubischen Kultur. Was ist also dran am Polsprung, am Zusammenbruch des Magnetfelds, an der lebensgefährlichen Überquerung des Milchstraßenäquators und anderen Gründen für das Jüngste Gericht? Wenig. Um eine Schwungmasse wie die Erde ernsthaft ins Trudeln zu bringen, bräuchte es den Impakt eines Objekts in Marsgröße. Alle martialischen Protoplaneten wurden vor 4 Milliarden Jahren in den interstellaren Raum gekickt. Das Sonnensystem ist stabil. Wildgewordene Planeten sind nicht zu erwarten. Und das Überqueren des Milchstraßenäquators? Die gedachte Ebene ist – gedacht. Sie hat auf die Kinetik unseres Mutterplaneten so viel Einfluss wie die gedachte Linie Stephansturm–Millennium Tower auf die Sicherheit der sie querenden U-Bahn-Züge. Time to relax.


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