Kritiken

Der Onkel vom anderen Ufer: CRG spielt Tschechow

Lexikon | Valerie Kattenfeld | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Wer bei Tschechows „Onkel Wanja“ bisher an hart arbeitende, gestandene Männer gedacht hat, dem werden in Andreas Erstlings Inszenierung neue Perspektiven eröffnet. Das Ensemble Centrum Reiner Gestik (CRG) zeigt einen Telegin im rosa Rüschenröckchen und einen kichernden Wanja, der sich von Dr. Astrow das Morphiumfläschchen aus dem Hemd kitzeln lässt. Weitere Gestiken bestehen aus Tee und Wodka trinken, Käse essen, Schach spielen, Tabak verarbeiten und die Fliege verscheuchen. Fast möchte man meinen, die Gruppe fürchte sich vor dem Text, der dann auch noch durchgehend getragen rezitiert wird. Möglich aber, dass das Ganze auf der 10-Quadratmeter-Bühne im „Dorf“ (wo die Premiere stattfand) anders wirkt als bei den letzten Terminen im großen Kabelwerk. Die Unterschiedlichkeit der Spielorte soll für individuelle Atmosphären sorgen; ob Letztere überhaupt entstehen können, erscheint angesichts der Inszenierung allerdings fraglich.

Palais Kabelwerk, Fr, Sa 20.00, So 17.00


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