Tanz Kritik

Schmerz und Leidenschaft: Carmen in Spitzenschuhen

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Carmen als Ballett in Spitzenschuhen birgt den Gegensatz zwischen größtmöglicher Leidenschaft und ebensolcher Körperbeherrschung. Und jeder Moment, der einen dies in der Volksopernproduktion „Ballett: Carmen“ vergessen lässt, ist eigentlich schon ein Sieg des Choreografen Davide Bombana. Katevan Papava ist eine starke Carmen, die am schönsten und eindrucksvollsten ist, wenn sie einfach nur über die Bühne schreitet oder, von José und Garcia gleichermaßen begehrlich beschnuppert, zwischen beiden hin- und herpendelt. Schmerz und Leidenschaft tänzerisch auszudrücken obliegt Micaela (Karina Sarkissova), die den Verlust ihres Geliebten an Carmen zu verarbeiten hat. Die Musikcollage, die von Bizet-Ohrwürmern getragen wird, untermalt die Stimmungen, wobei die Szene, in der Escamillo (Gregor Hatala) als Stier von Toreros in Flamenco-Tänzerinnen-Outfit umringt ist, unterhaltsam über das tragische Ziel hinausschießt. Nur die Videowand, auf der halbabstrakte Formen schlingern, ist mehr Anbiederung ans Zeitgenössische als dass sie die getanzten Bilder unterstützen würde.

Volksoper, Sa 19.00


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