Kritik

Galerie als Bühne für anthropomorphe Visavis

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Mit den Grundbedingungen der Skulptur scheint sich Roland Kollnitz ebenso auseinanderzusetzen wie mit den Grundbedingungen der Wahrnehmung. Dementsprechend stellt sich sein Konzept als faszinierendes, vielschichtiges Gefüge plastischer Abläufe dar, das auf die Gegebenheiten des Ausstellungsraums ebenso gekonnt reagiert wie auf die unterschiedliche Beschaffenheit der verwendeten Materialien. So hat der Künstler wie schon in vergangenen Projekten auch für seine aktuelle Schau die Beleuchtungssituation verändert, um die Farb- und Kontrastwirkung seiner Objekte zu optimieren. Objekte, die oft an menschlichen Körperproportionen Maß nehmen und zwischen Formökonomie und Komplexität, zwischen systematischer Strenge und freier Komposition sowie zwischen Analyse und Intuition angesiedelt sind.

Eine Betonkugel oder ein Kokosteppich als instabil anmutende Sockel, filigrane Bambus- und Stahlstangen als Säulen, auf denen polierte Edelstahlplatten oder bemalte Holzteile schweben; ein gebogenes Aluminiumprofil, das charmant die Arbeit „eitles Stück“ umspielt; Edelstahldraht, der schleifenförmig eine Wand ziert: Einige von Kollnitz’ Arbeiten muten wie Zufallsprodukte an, andere dagegen lassen die Präzision erkennen, mit welcher der Künstler den Blick des Betrachters ganz bewusst in die Horizontale oder Vertikale lenkt.

Die Ausstellung präsentiert eine beachtliche Bandbreite von Arbeiten, die exemplarisch für die Herangehensweisen von Roland Kollnitz steht, der von seinen Skulpturen gerne als „anthropomorphe Visavis“ spricht. Gerade dieser spezifischen Aura seiner Werke wäre allerdings eine kleinere Auswahl mehr entgegengekommen.

Galerie Grita Insam. Bis 19.12.


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