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Qua Medium durch die Wirklichkeit

Lexikon | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Heike Kaltenbrunner dringt in jene Dimensionen vor, die das menschliche Auge und Gehör normalerweise nicht zu fassen vermögen. Die Künstlerin überträgt akustische Signale von schnell rotierenden Neutronensternen auf zu Oszilloskopen umgebaute Schwarzweißmonitore. Das Ergebnis sind zuckende Lichtpunkte, die sich zu Linien und Kreisen ausdehnen, um dann wieder in sich zusammenzufallen.

Kaltenbrunners Arbeit ist neben jener von Michael Goldgruber und Michael Inmann unter dem Titel „Poiesis“ ausgestellt. Aristoteles hat diesen Begriff ersonnen und meinte damit jenes zweckgebundene Agieren, das sich in der Hervorbringung neuer Erzeugnisse manifestiert. Kunst, die in dieses Begriffsschema fällt, kreiert also eigene Wirklichkeiten, die mit der wahrnehmbaren Realität nichts gemein haben müssen. Wie aber nehmen wir die Realität überhaupt wahr? Reguliert und vorfabriziert meint Michael Goldgruber, der in seinen Videos und Fotografien Aussichtsplattformen ins Visier nimmt. Dem freien Naturschauen stellt er jene architektonischen Eingriffe gegenüber, die Natur unter kommerziellen und touristischen Verwertungskriterien als konsumierbar inszenieren. Dass aber gerade dadurch die zunehmende Entfremdung des Menschen von der Natur vorangetrieben wird, macht Goldgruber überdeutlich.

Der Atmosphäre verlassener Wohnungen dagegen verleiht Michael Inmann in poetischen Schwarzweißaufnahmen Gestalt. Noch deutlich meint man hier die Anwesenheit der Abwesenden zu spüren. So sensibilisiert auch er den Betrachter für jene Aspekte im Bild, die an sich nicht greifbar sind. MJ

Fotogalerie Wien, bis 9.12.


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