Neu im Kino

Königstiger von Floridsdorf „G’schichten vom Willi R.“

Lexikon | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Ich bin weite Wege gegangen, um mich beliebt zu machen“, resümiert Willi Resetarits gegen Ende von „So schaut’s aus. G’schichten vom Willi Resetarits“ seine bisherige Karriere als Musiker und Entertainer: Schon in der Floridsdorfer Kindheit hätte er sich als zuagraster Burgenlandkroate vor allem danach gesehnt, in Wien richtig dazuzugehören; das Verbindliche, um Zustimmung Werbende würde man seiner Bühnenstimme heute noch anhören.

Nicht zuletzt solche Momente der Selbstbefragung heben Harald Friedls Porträt des inzwischen 60-jährigen Resetarits über dienstbeflissene Lebenswerk-Lobhudelei hinaus. Friedl („Aus der Zeit“) lässt Resetarits von den verschiedenen Stationen seiner Musikerkarriere erzählen (enthusiastisch von den Erfolgen mit der Kurt Ostbahn Kombo, etwas verkrampft von der Zeit mit der Politrockgruppe Schmetterlinge in den 70ern), vor allem folgt er ihm aber im Hier und Jetzt: zu den zahlreichen Konzerten, die Resetarits mit verschiedenen Bands bestreitet, zu Familienfeiern mit den Brüdern Lukas und Peter, zu Besuchen im Heimatort Stinatz und im von Resetarits mitbegründeten Integrationshaus. Oder auch einfach ins Wohnzimmer seines Floridsdorfer Hauses, wo der Künstler zwischen den Auftritten gelegentlich zusammensackt und sich vorkommt wie ein Königstiger in Agonie.

Die Wirkung des 72-Minüters hängt nicht unwesentlich davon ab, wie viel man Resetarits’ aktuellem Wienerfolk abgewinnen kann. Um dem dezenten Charme jener Sequenz zu widerstehen, in der er auf der Suche nach einer neuen Liedidee summend und singend durch ein Schneegestöber stapft, müsste man aber schon von akutem Austropop-Hass getrieben sein. JOACHIM SCHÄTZ

Ab Fr im Stadtkino Wien


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige