Neu im Kino

„The Edge of Love“: in der Hölle der Künstlichkeit

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Dass man in diesem Film bereits vom ersten Bild geblendet wird, ist nur konsequent. Mit einem weißen Lächeln strahlt Vera Phillips die Zuschauer an, wenn sie in einem überfüllten Londoner U-Bahn-Schacht ihre Lieder singt. Man schreibt das Jahr 1941, und das wiederholte Sirenengeheul wird routiniert zur Kenntnis genommen, während sich Alltag und Amüsement beinahe gelangweilt in den Untergrund begeben haben.

Dass „The Edge of Love“ mit einem derart artifiziellen Bild von Keira Knightley auf einer Bühne beginnt, passt gut zu Regisseur John Maybury („Love is the Devil“), seines Zeichens britischer Allroundkünstler mit Drang zum Theaterhaften. Maybury liebt das gebrochene Pathos, den expressiven visuellen Stil – und vor allem die eigene Künstlichkeit. Eine Dreiecksgeschichte, im Zuge derer sich die Beteiligten das Leben zunehmend zur Hölle machen, kommt so jemandem zupass.

Ein Glück also, dass plötzlich Veras Jugendfreund (Matthew Rhys als walisischer Dichter Dylan Thomas) mit seiner Frau Caitlin (Sienna Miller) auftaucht und das ausgebombte Ehepaar in der Folge mit Vera zusammenzieht. Dass diese, der alten Liebe zu Dylan zum Trotz, einen hübschen Soldaten heiratet, der alsbald in den Krieg zieht und sie als werdende Mutter zurücklässt, macht die Sache nur komplizierter.

Allerdings nicht für Regisseur Maybury, der spätestens mit der Rückkehr des traumatisierten Veteranen und dem gemeinschaftlichen Umzug der nunmehrigen Viererbande ins walisische Landhaus zur Hochform aufläuft: Am Ende ist „Edge of Love“ weniger ein Beziehungsdrama als das Abbild eines solchen und damit so schön unecht wie Frau Knightley in Strickkleid und Gummistiefeln.

Ab Fr im Admiral Kino (OmU)


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