Musiktheater Kritik

Polterabend eines Ehemannes

Steiermark | Herbert Schranz | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Johann Strauß’ Operette „Die Fledermaus“ (1874) ist nach „The Sound of Music“ die dritte Premiere der laufenden Grazer Opernsaison. Die unumstritten österreichische Operette schlechthin folgt, so es nach Nicht-Österreichern geht, auf das ausgewiesene Österreich-Musical.

„Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“, singt der triebgesteuerte Gesangslehrer Alfred (Marlin Miller) schon zu Beginn der Operette. Was alles vergessen? Eine bestehende Ehe? Österreich als Brutstätte der Neurosen, wie es Erwin Ringel diagnostizierte? Der Brite Stephen Lawless stellt in seiner Inszenierung, die von 2003 bis 2006 in Glyndebourne auf Englisch und im Dezember 2008 in Genf auf Deutsch zu erleben war, diese Fragen kaum. Und das obwohl das Geschehen im eleganten, secessionistischen Bühnenbild von Benoît Dugardyn in die Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg, die Zeit Klimts und Sigmund Freuds versetzt ist.

Allzu intakt bleiben in seiner Deutung die Rechtfertigungen mit der Champagnerseligkeit, für die am Besten wohl der zum „analytischen“ Fest ladende Prinz Orlofsky (Dshamilja Kaiser) als vodkatrainierter Russe einstehen soll. Zwar müssen herabregnende Seifenblasen wie Champagnerperlen oder Träume zerplatzen, das pubertäre bis zwänglerische Seitensprüngler-Gebaren des alternden Gabriel von Eisenstein bleibt darstellerisch aber vor allem Herbert Lipperts aufgeregtem Gestikulieren überlassen. Hauptstar des Abends ist Arpiné Rahdjian als prägnante Rosalinde, lebhaft und walzersicher spielen die Grazer Philharmoniker unter Marius Burkert.

Oper Graz, Fr, Mi 19.30


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