Kommentar

Bekommt das Jüdische Museum Wien eine VIP-Direktorin?

Kulturpolitik

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Seit Anfang Sommer sucht das Jüdische Museum Wien nach einem neuen Direktor. Ende Oktober lief die Frist für die geheime Bewerbung ab, dann tauchten im profil plötzlich die Namen von Bewerbern auf. Die Chefkuratorin des Hauses soll sich beworben haben, auch der Direktor des neuen Jüdischen Museums München. Die Filmemacherin Ruth Beckermann zeigt Interesse an dem Job.

Die Ausschreibung wäre wohl im Halbdunkel kurzer Zeitungsmeldungen verblieben, wäre nicht auch ein VIP-Name aufgetaucht, jener der TV-Nachrichtenmoderatorin Danielle Spera. Nun fragt man sich, wer das Museum in den vergangenen Jahren eigentlich leitete. Sein Name ist Karl Albrecht-Weinberger.

Das Museum ist eine GesmbH, je zur Hälfte im Eigentum der Stadt Wien und der kommunalen Wien Holding. Daher müssen die für die Holding zuständige Finanzstadträtin Renate Brauner und der Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (beide SPÖ) entscheiden, wer Direktor wird. Wer auch immer Speras Namen ausgeplaudert hat, nützen wollte er ihr damit nicht.

Die Journalistin verfügt weder über ein „einschlägiges Studium oder langjährige einschlägige Erfahrung“, wie im Ausschreibungstext vorgeschrieben. Mit ihrer Biografie über Hermann Nitsch wäre sie im Dom- und Diözesanmuseum besser aufgehoben.

Es wäre aber nicht das erste Mal, dass das Rathaus sich nicht an Auswahlverfahren hält. Wolfgang Kos, der erfolgreiche Direktor des Wien Museums (siehe auch S. 26), stand 2002 nicht auf dem Dreiervorschlag der Findungskommissionen. Vielleicht gibt es auch diesmal einen Joker, der nicht genannt wurde.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige