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Politik | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Warum muss Haiders Urne ins Gefängnis, Herr Winkler?

Die ehemalige Kärntner Landesbank Hypo Group, die heute mehrheitlich der BayernLB gehört und an der Kärnten noch mit 12,4 Prozent beteiligt ist, benötigt dringend 1,4 Milliarden Euro. Die nun an Kärnten gerichtete Forderung nach einer Kapitalspritze von 160 Millionen Euro offenbart, dass das Land vor dem finanziellen Abgrund steht. Der Autor und Georg-Büchner-Preisträger Josef Winkler macht die Politik dafür verantwortlich.

Herr Winkler, was haben Sie gedacht, als das Hypo-Fiasko bekannt wurde?

Hier wird gelogen und gemogelt, die Politik in Kärnten ist ein Fass ohne Boden. Die Parlamentarier in Wien müssen den Kärntner Politikern auf die Finger klopfen, sonst wird es hier einen kräftigen Rumpler geben.

Was meinen Sie?

Die Politiker gehen mit dem Geld um, als wäre es ihres. Als die Hypo verkauft wurde, wollte der Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz einem Berater, mit dem er privat bekannt ist, eine Vermittlungsgebühr von zwölf Millionen Euro verschaffen. Bis heute ist unklar, was der Mann geleistet haben soll. Und erst vor wenigen Wochen wollten alle Parteien heimlich die Parteienförderung um mehrere Millionen erhöhen. Was ist das für ein Demokratieverständnis, wenn im Verborgenen über solche Summen verfügt wird? Die Politiker sind doch größenwahnsinnig. Und ausbaden müssen es die Ärmsten der Armen, denen der Heizkostenzuschuss gekürzt wurde. Die Parteien holen sich die Kohle und nehmen sie den Menschen dafür weg, die Briketts nämlich.

Warum lassen sich die Kärntner das gefallen?

Das liegt wohl noch an der schillernden Persönlichkeit des verstorbenen Landeshauptmanns, der sich nun mit seiner Asche aus dem Staub gemacht hat. Es ist schade, dass er tot ist, ich würde ihn gerne auf die aktuellen Zustände ansprechen. Man müsste seine Urne ins Gefängnis sperren.

Interview: Wolfgang Zwander


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