Wenn Wiesenthal wüsste

Politik | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Es sollte das prestigeträchtigste Zeitgeschichteprojekt Wiens werden. Wie das Simon-Wiesenthal-Institut zu Grabe getragen wird

Analyse: Barbara Tóth

Es war nicht das erste Mal, dass in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Schlösser getauscht wurden. Als Simon Wiesenthal im Jahre 1960 mit seinen Nachforschungen gegen Kriegsverbrecher begann, stellte ihm die Gemeinde ein Kämmerchen zur Verfügung. Sie hätte den polnischen Ingenieur, der sich selbst zum „Nazijäger“ ernannt hatte, gerne angestellt. Aber Wiesenthal wollte unabhängig bleiben. „Er wehrte sich gegen jede Einmischung, und so wurde er aus seinem Büro rausgeworfen und die Schlösser wurden ausgetauscht“, erzählt der israelische Historiker Tom Segev, der in Kürze eine Biografie über ihn publizieren wird.

Auch Anfang November blieben im ersten Stock des Eckhauses am Desider-Friedmann-Platz im ersten Bezirk die Türen versperrt. Der Zugang zum Archiv der Kultusgemeinde wurde den Mitarbeitern des Simon-Wiesenthal-Instituts


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