Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Der beste Beziehungswüstenbarde der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Bittere Lieder für die ganze Familie

Dass man dem Schaffen von Freunden besonders unkritisch gegenüberstünde, ist Quatsch (in Wirklichkeit hat man Angst, es könnte einem auch mal nicht so gut gefallen).

Das fünfte Album von Robert Rotifer hat es bei mir aber in der Tat leicht: Zum einem bin ich spätestens seit „Coach Number 12 of 11“ ganz entspannt – wer sich über Jahre kontinuierlich zu einer solchen Form entwickelt, der hat sozusagen auf Granit gebaut; zum anderen verschwand die Vorab-CD von „The Children on the Hill“, noch bevor ich sie hören konnte, im CD-Archiv meiner Tochter. So was rührt mich natürlich und macht mir Hoffnung, dass abseits etwas lauer Sympathiebekundungen für die Beatles und des üblichen tönenden Teenie-Krams noch was geht.

So eingängige Popsongs wie auf dem letzten finden sich auf dem jüngsten Rotifer-Album nämlich nicht. Stattdessen nehmen sich die 13 neuen Stücke laut Selbstauskunft ihres Urhebers „die Freiheit, da und dort in Richtung Franzosenwalzer, Zornpsychedelik und Beziehungswüstenfolk auszubrechen“.

Letzterem ist etwa „The Undecided“ zuzurechnen, ein schönes Beispiel dafür, wie diese spröden Shortstorys im Songformat sarkastisch, aber nie zynisch davon erzählen, wie es den Menschen hinten nass reingeht: „It was their first winter / In their brand new flat / First the boiler snuffed it / Then they even lost their cat / There were dark clouds forming / In the suburban sky // He said, Don’t blame yourself now / It’s not you, it’s just me‘ / She said, You keep the leather sofa / And I’ll have the TV‘.“

„The Children on the Hill“ ist ein gänzlich unlarmoyantes und politisch hellwaches Album über Zeiten, in denen alles den Bach runterzugehen scheint. Wer weiß, wie oft noch Gelegenheit dazu sein wird, aber am 27.11. ab 21 Uhr (Project Space der Kunsthalle) werden meine Tochter und ich uns gemeinsam ein Popkonzert reinziehen. Und wenn Mama nicht zu müde ist, nehmen wir sie glatt mit.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige