Schollendampf und Neonlicht

Feuilleton | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Mit „Kampf um die Stadt“ erzählt das Wien Museum die Zwischenkriegszeit als eine Schlacht zwischen zwei Visionen von Gesellschaft und österreichischer Identität

Ausstellungsrezension: Philipp Blom

Die Zeit der Ersten Republik hat kaum Spuren hinterlassen in der Wiener Innenstadt. Nur wenige Gebäude geben ihr ein Gesicht, setzen Akzente gegen das Barock, den überwältigenden Historismus oder die Bombenlückenarchitektur der Nachkriegszeit.

Erst in den Vorstädten demonstriert der skulpturale Gestus der Gemeindebauten die Macht des Roten Wien und die Suche nach einer neuen sozialen und kulturellen Identität, einer besseren Welt.

Ähnlich ist es in der Geschichtswahrnehmung, die oft geprägt ist von einer Faszination für die Zeit vor 1914 und die in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg eine Zeit des Sündenfalls sieht, des Niedergangs von Wirtschaft und Kultur – eine verwirrende Episode, die unerbittlich politische Stellungnahme einfordert, eine klassische Übergangszeit, die am besten


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