Die Kultur der Zeit um 1930 ist derzeit nicht nur im Künstlerhaus zu sehen

Feuilleton | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

Eine Ikone der Zwischenkriegszeit aus dem Besitz des Wien Museums ist das Bild „Die Anatomie“ (1931) von Herbert Boeckl. Es hängt derzeit nicht in der Ausstellung „Kampf um die Stadt“, sondern in der Retrospektive des Künstlers im Belvedere.

Boeckl ist einer der Malstars der Zeit nach 1918, als es in der österreichischen Kunst modern war, nicht modern zu sein. Der Begriff Expressionismus war allzu „bolschewistisch“, daher stellte man sein Werk in die Tradition des ausdrucksstarken Barock. Während Boeckls Frühwerk an die kosmopolitische Bildsprache der Abstraktion anknüpfte, tauchen in der Malerei um 1930 explizit katholische Motive auf. Die bildende Kunst ist hier Ausdruck einer retrospektiven Sehnsucht nach Stabilität.

Bis 31.1. 2010 im Belvedere

Den ideengeschichtlichen Hintergrund dieser gesellschaftlichen Befindlichkeit liefert das Buch „Der österreichische Mensch“ des amerikanischen Kulturhistorikers William M. Johnston, dessen Buch „The Austrian Mind (1972)“


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