Steirerbrauch

Volkskunde

Steiermark | aus FALTER 48/09 vom 25.11.2009

TRAUERN Wie die Oma angefangen hat, die Meyer-Bücher zu lesen, ist ihr das ganze Leben klar geworden. So alt hat sie werden müssen, hat sie gedacht. Und gewundert, dass sie all die Jahre blind war, dass sie den Grund nicht verstanden hat, warum der Großvater, wie er noch gelebt hat, so abweisend war und fremd. An seinen Körper hat sie dabei gedacht, kalt wie Eis, wenn er sich im Morgengrauen an sie gedrängt hat. Wie der Tod. An seinen Hunger hat sie gedacht, heiß wie Feuer, wenn sie in der Küche das Blut gerührt, wenn sie die Bluttommerln auf dem Teller angerichtet hat. Wie das Leben. Und dass sie immer geglaubt hat, dass es der Vater vom Großvater war, der ihn so gemacht hat. Oder der Krieg. Und dass alles ganz anders gekommen wäre, wenn sie es gleich gewusst hätte: dass der Großvater in Echt ein Vampir war. TW


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