Kommentar

Reisefreiheit für den Balkan: Bloß Kosovo wartet noch immer

Südosteuropa

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Auf diesen Montag hatte Vesna seit ihrer Kindheit gewartet. Auf den Tag, an dem die 18-jährige Montenegrinerin frei sein würde, frei, über die Schengengrenzen zu reisen. Und mit ihr haben zehn Millionen Menschen gewartet, die Bürger Serbiens, Mazedoniens und Montenegros.

Mit Stichtag 19. Dezember kann Vesna künftig Weihnachten mit ihren Verwandten in Paris feiern, übers Wochenende Freunde in Wien besuchen oder mit einem Interrail-Ticket in der Tasche an die Algarve fahren.

Monatelang mussten Außenminister, Kommission und Parlament argumentativen Druck ausüben, bis Europas Innenminister am Montag die Visa-Beschränkungen nach mehr als einem Jahrzehnt aufgehoben und die historische Einladung nach Europa jenseits von Sonntagsreden endlich wahrgemacht haben.

Nicht aus Mitleid, sondern weil die Regierungen der drei Länder die strengen Auflagen der „Road Maps“ erfüllt haben – etwa die Einführung biometrischer Pässe und die Zusammenarbeit mit EU-Behörden. Noch 2010 könnten das auch Bosnien-Herzegowina und Albanien zuwege bringen.

Übrig bliebe dann der Kleinstaat Kosovo, der den Weg noch nicht einmal kennt. Bald zwei Jahre ist es her, dass Europa im Südwesten Serbiens erstmals einen Staat bastelte. Als die Euphorie gewichen war, blieb das isolierteste Land der Welt zurück, dessen Einwohner bloß fünf Staaten visafrei bereisen dürfen (sogar Afghanistan bringt es auf 22). Weil noch immer nicht alle EU-Staaten die Unabhängigkeit Kosovos anerkannt haben, ist an eine „Road Map“ nicht zu denken. Hier bahnt sich die nächste Schande Europas an. Denn auch Vesna wird nicht vergessen, dass Europa sie ein Jahrzehnt lang warten ließ.


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