„Ein Kunstgärtner des lebendigen Lebens“

Feuilleton | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Über Alfred Hitchcock nicht, über Jean Renoir nicht, ja nicht einmal über Godard ist nur annähernd so viel geschrieben worden wie über Charlie Chaplin. Dem „berühmtesten Mann der Welt“ zu huldigen, gehörte bereits in den 20er-Jahren zu einer Pflichtübung, der Literaten und Künstlerkollegen gerne nachkamen.

„Chaplin ist Techniker. Er ist Mensch in einer Maschinenwelt, in der die Mehrzahl seiner Mitmenschen nicht mehr über das notwendige Gefühl und Gedankenwerkzeug verfügt, um sich das ihnen verliehene Leben wirklich anzueignen. Sie haben keine Fantasie. Also beginnt Chaplin zu arbeiten. Wie ein Zahntechniker falsche Gebisse, so erzeugt er Fantasieprothesen.“

Franz Kafka (1920)

„Bedeutender als Chaplin, der Filmschauspieler, ist Chaplin, der Filmdichter. (...) Er fängt nicht mit der Idee, nicht mit der Form, sondern mit der lebendigen Materie der Einzelwirklichkeit an. Er dichtet nicht deduktiv, sondern induktiv. Er formt sein Material nicht, sondern lässt es wachsen


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