Ein Albtraum bei offenen Augen

Feuilleton | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Mit dem posthum erschienen „2666“ hat Roberto Bolaño den lateinamerikanischen Großroman globalisiert

Würdigung: Leopold Federmair

Spätestens seit der Veröffentlichung seiner Romane „Die wilden Detektive“ und „2666“ in den USA in den Jahren 2007 und 2008 ist Roberto Bolaño ein Weltstar der Literatur, wenn auch immer noch ein „ferner Stern“, der sich den Erklärungsmustern entzieht. Alan Pauls, einer von Bolaños Lieblingsautoren der neuen lateinamerikanischen Literatur, bezeichnete „2666“ als Ufo der Literatur.

Ein unbekanntes Flugobjekt, in der Tat: schnell und wendig, waghalsig und neuartig. Zu derlei Metaphern mag der Titel des posthum erschienenen Werks beitragen, der Science-Fiction verspricht, mit dieser aber weit weniger am Hut hat als mit einem Zukunftshorizont, der aus Geschichte und Gegenwart aufsteigt. Ein Hauptstück des fünfteiligen Romankomplexes spielt während des Zweiten Weltkriegs im Osten Europas, ein anderes in der nordmexikanischen, von Drogenbossen


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