Nüchtern betrachtet

Macht euch bloß nicht locker, Leute!

Feuilleton | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Ich mag Popmusik nicht zuletzt wegen ihres niederschwelligen Zugangs: Man muss nicht immer gleich die Musikgeschichte neu schreiben, sondern darf ruhig auf Dur-Dreiklänge und Drei-Akkord-Riffs zurückgreifen; es kann auch einfach nur nett sein; man kann dazu tanzen, trinken, der neben einem stehenden Person was ins Ohr flüstern oder auf den Popo greifen. Leider ist dieser durchaus sympathische Zugang im Laufe der Zeit pervertiert und die freundliche Permissivität durch einen totalitär gewordenen Trottelhedonismus ersetzt worden, dessen spaßistische Lockerheitsimperative drauf und dran sind, alle zivilisationsfördernde Zartheit, über die Popkultur einmal verfügt haben mag, mit Butz und Stingel auszurotten. Wann immer jemand andere dazu auffordert, locker zu bleiben oder sich locker zu machen, ist größte Skepsis und höchste Verteidigungsbereitschaft geboten, denn die Wahrscheinlichkeit,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige