Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Eine Weltstadt putzt: einige Anregungen

Bösartig derjenige, der an die bevorstehende Wien-Wahl denkt, nur weil U-Bahn-Züge momentan dermaßen nach Reinigungsmitteln riechen, dass man fast high wird davon. Nur weil eine Putzfrau ein Fenster so sorgfältig poliert, als wäre es der Glassturz über der Kaiserkrone in der Hofburg. Nur weil ein Mann mit Müllsack fragt, ob man die Zeitung auf dem Nebensitz noch zu lesen gedenke oder sie schon zur Entsorgung freigegeben sei. Nein, das ist nicht der Wahlkampf. Wir sollten endlich aufhören, über irgendwelche verborgenen Ursachen zu spekulieren. Das Raunzen stoppen. Das städtische Leben positiv sehen. Als Chance. Warum zum Beispiel überlegen wir nicht, welche Möglichkeiten uns die Wohlfühl-U-Bahn außer Sauberkeit sonst noch bieten könnte? Zigarrenabteile mit Ledercouches vielleicht. Eine Schnapsbar in jedem dritten Waggon. Zeitungsständer mit der Frankfurter Allgemeinen statt Heute. Befrackte Kellner, die mit verspiegelten Tabletts durch Abteile schreiten und Gratisespressi anbieten. Dann endlich wäre Wien so schön, wie es nie war.


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