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Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Ist Liebe nur ein Wort?

Ich liebe Baustellen“, sagte VP-Bürgermeister Siegfried Nagl bei einer Diskussion im Haus der Architektur. Vergangene Woche wurde allerdings seine Lieblingsbaustelle abgesagt: Der deutsche Otto-Konzern baut das Einkaufszentrum ECE am Bahnhof doch nicht. Nagl hatte sich davon unter anderem die Rettung der heruntergekommenen Annenstraße erhofft, dabei aber nicht mit den Grazer Handelsgrößen gerechnet, die alles daransetzten, dem Konkurrenten Steine in den Weg zu legen.

Die lange Geschichte um das Einkaufszentrum zeigt vor allem eines: Diese Stadt hat keinen Plan. Mit einem Einkaufszentrum am ohnehin gesättigten Markt rettet man weder eine Einkaufsstraße noch den Innenstadthandel, der durch das ECE Umsatzeinbußen befürchtete. Ein Einkaufszentrum ist auch kein Rezept gegen den wuchernden Speckgürtel, der Kaufkraft aus Graz absaugt. Die gute Nachricht für den Bürgermeister: Es gibt genug Baustellen, angefangen bei der Annenstraße und der Ghettobildung in den Bezirken Gries und Lend bis hin zum Andreas-Hofer-Platz und den Reininghausgründen. Letztere waren das erste Großprojekt, das Nagl in seiner kurzen Zeit als Stadtbaureferent abhanden kam. Ein privater Immobilienentwickler wollte einen neuen Stadtteil aus dem Boden stampfen, warf aber im Sommer krisenbedingt das Handtuch. Nun will die Stadt die riesigen Reininghausgründe kaufen.

„Stadt plant Stadt“, hat der Bürgermeister bei derselben Diskussion im HDA gesagt. Das Scheitern der beiden Großprojekte ECE und Reininghaus birgt auch die Chance eines Neustarts. Nun ist es höchste Zeit, die Baustellen anzugehen, Zeit für einen Liebesbeweis.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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