Phettbergs Predigtdienst

Schnalzende Riemen statt brechendem Brot

Kolumnen | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

In „Wien heute“ wurde gesendet, dass eine Frau ihren hundertsten Geburtstag beging. Sie ist voll Lebensfreude und macht täglich eine Viertelstunde Gymnastik. Sie tanzte mit dem Wiener Bürgermeister vor laufender Kamera.

Wien und ganz Österreich sind geordnet. Kaum ist wo eine Ungeordnetheit, wird ein Buch oder ein Film („Phettberg, Elender“) daraus. Entweder wir liefern Thema oder Füllmaterial.

Soeben habe ich fünf Tage lang bei der Oper „Martyrium des Heiligen Sebastian“ an der Musikuniversität als Statist mitgewirkt. Ich kann nicht wirklich schauspielen, also werde ich als Statist benützt und habe Material für mein Gemüt. So haben „wir“ alle was davon. Es müssen nur genug Lebensmittel beziehungsweise Hausrat und so da sein, und schon ist Zufriedenheit im Land. Wenn mein Computer, mein „Haustier“, ausfiele oder meine Heizung, weiß ich jemanden anzurufen und mir Hilfe zu beschaffen.

Die einzige, wirkliche und meinige Katastrophe war und ist: Es hat mich nie ein Kerl in versauten Bluejeans gegenbegehrt. Ja, ich hätte eh jeden genommen. Es sind ja nur wenige Sekunden an Mondfenstern für sowas offen. Und dann schließen sie sich wieder.

Regisseur Valentin Schwarz holte mich jeden Tag zur Probe ab. ER ist blutjung und ich – was ist mit mir? Darum haben die Altys immer darauf geschaut, dass sie ja nicht den Jungys unterliegen. Es hat aber extrem lange gedauert, bis ich es begriff. Und als ich es begriff, hatte ich längst die Überfuhr versäumt. Wenn sich ein „Valentin Schwarz“ nur ab und an bei mir meldete ...

Die Krönung im vorigen Jahr war „M“. Sie zelebrierten mit mir eineinhalb Minuten etwas mit dem Hosenriemen. Dass solche eucharistischen Feiern so rar sind. Vergleichen Sie sie mit dem Sieg des geteilten Brotes. Allerorts werden im Sekundenrhythmus Messen zelebriert. Und ich stehe nur kaputt da und flehe um Hosenriemen.

Ich hab alle nötigen Medikamente und warte. Wie in einer Wüste lebe ich. Die Summe meiner Tage ist eh ganz okay. Es fehlt mir nur ein „M“ zum Zelebrieren. Statt gebrochenen Brotes schnalzende Hosenriemen.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt.


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