Kritiken

Die gezähmte Lulu: Wedekind in der Scala

Lexikon | Valerie Kattenfeld | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Wer mal wieder Lust auf einen Theaterabend mit Pause und Bildwechsel in jedem Akt hat, kann sich „Lulu“ in der Scala anschauen. Gelungen ist dem Regisseur Bruno Max vor allem das Bühnenbild, beispielsweise die mit Pop-Art-Bildern und Ledersofas bestückte Wohnung des Künstlers oder das Versteckspiel im dritten Akt hinter halbtransparenten Schiebetüren. In der klug gekürzten Fassung von Wedekinds Stück stirbt nach wie vor ein Ehemann nach dem anderen, dennoch fehlt der Inszenierung die notwendige Leidenschaft. Die von Barbara Braun verkörperte Lulu stolpert von einer Beziehung in die nächste, was sie dabei fühlt oder antreibt, bleibt im Verborgenen. Einzig der Bezug zur ambivalenten Vaterfigur Schigolch, die mit ihrer Quetsche fast wie ein Geist durch die Akte zieht, gewinnt schon mit dem ersten „Du?“ an Spannung. Eine sehr brave Inszenierung, der es nicht an schauspielerischer Qualität, sondern an Mut und Entschlossenheit der Regie mangelt.

Scala, Fr, Sa, Mi, Do 19.45 (bis 19.12.)


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