Kritik

Aufklärung statt Zerstreuung

Lexikon | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Er gilt als einer der einflussreichsten Künstler seines Heimatlands. Dabei funktioniert das Schaffen von Jef Geys so gar nicht unmittelbar. Ohne Begleittext kommen seine Arbeiten kaum aus. Als Dokumente der Wissensvermittlung sind diese oft aussagekräftiger als die Werke selbst.

Diesen Eindruck gewinnt man zumindest angesichts Geys’ erster Einzelausstellung in Österreich. Die gesamte Kommissionsware aus seiner belgischen Galerie hat er hierfür abgezogen und in einem unzugänglichen Raum hinter Glas neu arrangiert. Das Setting zeigt, wie sehr er sich von der Autonomie des Kunstwerks distanziert. Vielmehr interessieren ihn die Verwertungszusammenhänge, in die das Kunstmachen eingebunden ist. Besonders die einzelnen an die Wand affichierten Seiten des zur Ausstellung erschienenen Katalogs machen das deutlich.

Jef Geys bringt stets auch biografische Momente mit ins Spiel. So erfährt der Besucher, dass der Künstler einst Zeichnungen für Impfpässe von Rindern anfertigte. 157 „Frauenfragen“, die er zwischen 1965 und 2007 niederschrieb, stehen exemplarisch für das soziale Engagement, das seiner Arbeit vielfach zugrunde liegt.

Als Notieren, Sammeln, Archivieren und Kategorisieren sämtlicher seiner Kunstprojekte stellt sich Geys’ künstlerische Praxis in dieser Ausstellung insgesamt dar. Eine spröde Verfahrensweise, die den schöpferischen Prozess im herkömmlichen Sinne in den Hintergrund zu drängen scheint. Doch genau das macht eben Geys’ Schaffen aus, der seine Kunst mehr als Medium der Vermittlung als eines der bloßen Kontemplation versteht. MJ

Bawag Foundation, bis 20.12.


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