Neu im Kino

„Whatever Works“ von Woody Allen

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Was wäre Marlon Brando eingefallen, wenn er in Coppolas Dschungelcamp die Times gelesen und über den wahren Zustand der Welt Bescheid gewusst hätte? Das mit dem Horror, so Boris Yellnikoff, hätte er sich jedenfalls für andere Grauslichkeiten gespart. Denn wenn überhaupt jemand Bescheid weiß, warum alles im Argen liegt, dann er: Professor für Quantenmechanik, Beinahe-Physik-Nobelpreisträger, Schachnachhilfelehrer für Kinder, verlassener Ehemann, New Yorker.

„I’m not a like-able guy. And just so you know, this is not the feel-good movie of the year.“ Wer seine Zuschauer so begrüßt, darf auf Milde hoffen. Und tatsächlich ist der querulierende Nörgler seit langem die mit Abstand sympathischste Figur, die Woody Allen in die Kamera sprechen lässt, damit sein Publikum sich buchstäblich angesprochen fühlt.

„Whatever Works“ ist Allens Heimkehrerfilm nach New York, das ist die erste gute Nachricht. Dass sich einschlägige Befürchtungen angesichts seines Altherrenszenarios – arroganter Knacker (Larry Davis) nimmt streunende Südstaatenschönheit (Evan Rachel Wood) bei sich auf – als unbegründet erweisen, die zweite. Denn das Skript soll Allen angeblich seinerzeit für Zero Mostel geschrieben haben und 30 Jahre in der Lade gelegen sein. So als ob mit dieser Stadt und ihren Bewohnern seither nichts geschehen wäre, inszeniert Allen in seinem circa 45. Film leichthändig altmodisch eine Aneinanderreihung von Szenen, die jeweils ein eigener Film sein könnten. Und während Yellnikoffs Sarkasmus dabei immer mehr zu Gunsten einer leichten Ironie in den Hintergrund rückt, lernt man, wie Pragmatismus die Leute zusammenführt und die Liebe sie wieder trennt.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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