Neu im Kino

Sportfreunde stillos: die Nazi-Olympiade Berlin 36

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Kaspar Heidelbachs „Berlin 36“ dramatisiert die wahre Geschichte der jüdischen Athletin Gretel Bergmann: Der NS-Staat missbraucht sie als Feigenblatt vor dem Olympischen Komitee; sie selbst will durch ihren Sieg den Herrenrassemythos bloßstellen; der Reichssportführer bietet eine Hochspringerin, die in Wahrheit ein als Mädchen erzogener, traumatisierter Bursche ist, gegen sie auf.

„Das ist eine Farce!“ ruft Otto Tausig in der Nebenrolle eines jüdischen Sportfunktionärs; doch auch er kann den Fortgang dieses Films nicht aufhalten, der im Unterschied zu anderen Filmen über erzwungene Kooperation von Juden mit den Nazis zur unfreiwilligen Farce gerät. Die Allianz der Opfergruppen – Juden und Leute abseits sexueller Normen – ist gut gemeint und schlecht inszeniert (als zarte Trainingslagerfreundschaft oder per Überblendung von Gretel mit dem Sprung ihres Rivalen). Die NS-Verfolgungspolitik bleibt hier ebenso ein Randthema wie der Rassismus im IOC.

In dieser „Du kannst es schaffen!“-Story sind Nazis die Bösen. Warum? Weil sie fett oder ungut zackig und jedenfalls unsportlich sind: Statt Leistung zu würdigen, machen sie auf Schiebung. Mit Nazismus als Geschichte – etwas, das nicht ver-, sondern uns angeht – hat das kaum mehr zu tun als mit der Krise des Spitzensports im Zeiten von Doping und Spielmanipulation.

Ab Fr im Votiv-Kino


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