Buch der Stunde

Lexikon | Joseph Gepp | aus FALTER 49/09 vom 02.12.2009

Man könnte es als „Umbruchsliteratur“ bezeichnen: In immer mehr Büchern (und Filmen) hetzen junge Existenzen durch improvisierte Lebensläufe, meist vor einem sich rasant wandelnden, urbanen Hintergrund – gerne in Moskau, Neu-Delhi, Peking oder Berlin. Diese Literatur versucht das vage, kaum definierbare Grundgefühl einer Zeit in Worte zu fassen. Das gelingt ihr mal mehr und mal weniger gut: Manchmal beschränkt sie sich darauf, den Charme des Sich-irgendwie-durchs-Leben-Schlagens oberflächlich zu verherrlichen, in anderen Fällen erreicht sie dafür fast Balzac’sche Dimensionen.

Einer der Meister des neuen Genres heißt Serhij Zhadan, ist 35 Jahre alt und stammt aus der ostukrainischen Industriestadt Charkiw. Sein neues Buch, „Hymne der demokratischen Jugend“, ist ein wahres Schmuckstück der Umbruchsliteratur, das auf anekdotische Weise ganz ernsthaft eine Epoche anschaulich machen will. Was der Autor seinen Protagonisten in den Mund legt, beschreibt den Postkommunismus

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