Musiktheater Kritik

Harnoncourt mit Haydn an der Wien

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Was für ein Gegensatz! Auf der Bühne setzt Tobias Moretti Joseph Haydns Dramma giocoso „Il mondo della luna“ vor allem als grellen Klamauk in Szene, der im Gewirr des übervollen Bühnenbilds (Renate Martin, Andreas Donhauser) dann doch nie so recht zündet. Während im Orchestergraben Nikolaus Harnoncourt zeigt, dass man gerade in der Zurücknahme die wahren Pointen setzen kann. Mit kammermusikalischer Feinabstimmung schafft der Concentus Musicus rhetorische Kontraste, liefert Witz und Esprit, beinahe impressionistische Lautmalereien, überraschende Attacken und atemberaubend zarte Momente. Klangrede in seltener Eloquenz. Ihr antwortet vor allem Vivica Genaux mit vergleichbarer Finesse, doch auch der Rest des Ensembles – Dietrich Henschel, Bernard Richter, Christina Landshammer, Anja Bahrmann, Maite Beaumont, Markus Schäfer – glänzt stimmlich, schauspielerisch und manchmal sogar akrobatisch. Schade, dass Harnoncourt am Vorabend seines 80. Geburtstags kein Regisseur gleichen Rangs zur Seite stand.

Theater an der Wien, Mi, Fr, So (und 22.12.) 19.00


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