Kritik

Rätselhaft oder einfach nur unverständlich?

Lexikon | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Dass man mit getöpferten Vasen auch im Feld der zeitgenössischen Kunst reüssieren kann, bewies der Brite Grayson Perry als er 2003 den renommierten Turner Prize verliehen bekam. Seine Keramiken sind u.a. mit verstörenden Motiven von Sexualdelikten versehen. Einzigartig ist die Verbindung, die er zwischen dem traditionellen Kunsthandwerk und sozialkritischen Fragen knüpft.

Eine derartige Sprengkraft lassen die auf den Kopf gestellten Tonkrüge mit strichmännchenartigen Gesichtern von Judith Hopf dagegen vermissen. Dass es hier um das Thema Erschöpfung geht, um „erkennbare Anfänge und Enden von Prozessen“ und um das „Kraftfeld zwischen Politik, Kunst und Theorie,“ ist im Begleittext zur Ausstellung zu lesen. Allein aus der Betrachtung der Objekte lassen sich diese scheinbar so komplexen Zusammenhänge nicht erschließen. Auch die ausgestellten Zeichnungen, auf denen Hybride zwischen Arbeitsmöbel und menschlichen Figuren skizziert sind, bleiben entsprechend unverständlich.

Mit einem Stapel an Zeichnungen zur freien Entnahme dürfte sich Hopf jedenfalls eindeutig auf eine Arbeit des verstorbenen Felix Gonzales-Torres beziehen, der in einigen seiner Ausstellungen Poster als Mitnehmsel ausstellte. Wie der amerikanische Künstler evoziert auch Hopf durch Einbindung des Publikums das Verschwinden des Kunstwerks und unterläuft so dessen Marktwert und Anspruch auf Dauerhaftigkeit. MJ

Galerie Andreas Huber, bis 9.1.


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