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Bewegte Bilder aus Zentralasien

Lexikon | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Obwohl Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kasachstan zu Zeiten des Kommunismus ein gemeinsames Schicksal teilten und ins selbe Wirtschaftssystem eingebettet waren, beschritt jedes dieser Länder einen eigenen Weg in die Unabhängigkeit. Wie Kunstschaffende aus diesen Regionen die politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen der Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion reflektieren, verdeutlicht die Ausstellung „Changing Climat“ anhand einer Reihe von sehr sehenswerten Videoarbeiten.

Nationale Grenzen, kulturelle Identität, sozialer Kampf und persönliche Neuorientierung sind die Themen dieser Schau. Die Beiträge erzählen von neuen ideologischen Entwicklungen ebenso wie von der Verwurzelung in alten nomadischen und islamischen Traditionen. Abilsaid Atabekov aus Kasachstan etwa sieht Parallelen zwischen einem nomadischen Spiel, in dem die Teilnehmer hoch zu Ross um einen toten Ziegenkörper wetteifern, und dem Konkurrenzkampf in der neoliberalen Marktwirtschaft. Mumtoz Kamolzoda verbildlicht ein altes Ritual aus Tadschikistan: Eine Frau, deren Verlobter gestorben ist, will eine Ehe eingehen, muss davor jedoch einen Baum heiraten, um sich von der negativen Aura zu befreien, die auf ihr lastet. Sämtliche Facetten des kirgisischen Lebensalltags fasst Shaarbek Amankul zusammen, während Veaceslav Ahunov aus Usbekistan den Alltag eines in den Westen Emigrierten nachspielt.

Insgesamt ermöglicht die vom moldawischen Gastkurator Stefan Rusu zusammengestellte Schau einen vertiefenden Einblick in die künstlerische Produktivität einer Region, die man für gewöhnlich nur in Reiseberichten wahrnimmt. MJ

Kunsthalle Exnergasse, bis 19.12.


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