Retrospektive

Regisseur gibt’s kan: Peter Patzak zum 65. Geburtstag

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

In dem einigermaßen exaltierten Lustspiel „Tiger – Frühling in Wien“ aus dem Jahr 1984 sitzt der große Bühnenschauspieler Heinz Moog in einer heruntergekommenen Vorführkabine. Nicht nur das, er muss auch noch wie zur Strafe den Film „eines gewissen Herrn Patzak“ anmoderieren. Dieser handelt dann von falschen Stars und schlechten Regisseuren, also vom Kino, wie es wirklich ist.

In einem Punkt teilt der alte Vorführer seine Sicht durch den schmalen Schlitz auf die Leinwand mit jener des angekündigten Filmemachers: Was man dort sieht, mag oft bescheiden ausfallen, doch die Liebe – nicht zuletzt zur eigenen Arbeit – ist stärker. Und solange es jemanden gibt, der Filme dreht, kann er welche zeigen.

Peter Patzak hat seit den frühen 70er-Jahren schon viele Filme gedreht, und zwar über 100 Kino- und Fernsehproduktionen. Zu seinem 65. Geburtstag im Jänner ehrt das Filmarchiv den Regisseur, Autor, Maler und Lehrer bereits jetzt mit einer umfangreichen Retrospektive.

Bei Patzak geht es als Zuschauer aber nicht um einen Rückblick auf 40 Jahre österreichische Kinogeschichte, sondern darum, nicht den Überblick zu verlieren. Denn auch wenn man nach den „großen Themen“ im Sinn eines Autorenkinos sucht, ist das disparate Werk an Literaturverfilmungen von Walser bis Doderer („Das Einhorn“, „Die Wasserfälle von Slunj“), Kleinbürgerstudien („Kassbach“), Komödien („Tiger“), Dokumentarfilmen („Jugendliche“) und den allzeit beliebten „Kottan“-Arbeiten alles andere als kohärent. Sie sind eine Ansammlung von Kinomomenten, die immer wieder wundersam aufleuchten und zugleich Gefahr laufen, im nächsten Augenblick zu verglühen.

11.12. bis 10.1. im Metro-Kino


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige