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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Für immer Pulverfass im Hinterhof

Ohne Metaphern à la „Hinterhof“ oder „Pulverfass“ geht es leider nicht. Davon abgesehen ist Olaf Ihlaus und Walter Mayrs „Minenfeld Balkan“ ein lohnendes Werk: differenziert und frei jeder Parteinahme. Historisch gehen die beiden Spiegel-Autoren sehr weit zurück, bis zur Amselfeldschlacht 1389, ein balkanologisches Muss, da derlei Uraltereignisse heutigen Konflikten als Vorwand dienen. „Minenfeld Balkan“ erspart dem Leser den Zweckoptimismus des offiziellen Europa. Stattdessen werden die Probleme der 90er-Jahre fortgeschrieben und gipfeln in düsteren Bestandsaufnahmen, etwa über das Nichtfunktionieren Bosniens und des Kosovo oder die schleichende Islamisierung Sarajevos.

Joseph Gepp

Olaf Ihlau, Walter Mayr: Minenfeld Balkan.Der unruhige Hinterhof Europas. Siedler, 304 S., € 23,60

Österreichs steiniger Weg in die EU

Nur selten verdienen sich politikwissenschaftliche Bücher das Prädikat „lesenswert und lesbar“. Michael Gehlers „Österreichs Weg in die Europäische Union“ ist solch ein rares Beispiel. Auf 400 Seiten zeichnet der Direktor des Instituts für Geschichte an der Universität Heidelberg Österreichs Annäherung an die EU; von der fragilen, anschlusslüsternen Ersten über die westlich orientierte, neutrale Zweite Republik bis hin zu Österreichs durchwachsener Vernunftehe mit Europa ab 1995. Der 200-seitige Anhang mit Quellenangabe, Glossar und Personenregister rundet das Buch zu einem leicht benutzbaren „Reader“ ab.

Stefan Apfl

Michael Gehler: Österreichs Weg in die Europäische Union. Studien, 424 S., € 19,90


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