Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Politik | Stefan Apfl | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Ein irritierender Besuch in Österreichs bekanntester Moschee

Zwei Tage lang ist das Telefon besetzt. „Es ist kaputt“, sagt Alkhotani Fareed, 51, beim Überraschungsbesuch. Seit elf Jahren leitet der saudische Arzt die Moschee nahe der Donauinsel, die 1979 ohne Proteste, dafür aber von Rudolf Kirchschläger eröffnet wurde. Nach dem Schweizer Minarettverbot gefragt, spricht er in solidem Deutsch über Europas Islambild, das durch die Kreuzzüge geprägt sei, über Schweizer Intoleranz und die „Herzensangelegenheit“ Integration. Im selben sympathischen Tonfall sagt er aber auch verstörende Dinge über naturgegebene Geschlechterungleichheiten und die demokratische Legitimität der Scharia in islamischen Ländern. 30.000 Nichtmuslime besuchen die von Saudi-Arabien finanzierte Moschee angeblich pro Jahr. Sie treffen auf strenggläubige Muslime, deren Gott und deren Offenheit irritieren. „Wir verlangen nicht, dass Europa wie Saudi-Arabien lebt“, sagt Fareed zum Abschied. „Verlangen Sie es nicht umgekehrt von uns.“


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