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Pressekolumne

Medien | Martin Gantner | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Das Weltwoche-Prinzip, auch Christian-Ortner-Prinzip genannt, gilt unter Journalisten als Synonym für reflexhaftes publizistisches Dagegensein. Regelmäßig stellt das Schweizer Wochenblatt die Schwerkraft so infrage, dass einem beim Lesen schwindlig werden muss. Zum Beispiel das Märchen vom schwachen Geschlecht. Die Weltwoche schreibt: Frauen würden allein deshalb weniger verdienen, weil Männer einfach höhere Positionen einnehmen. Und nicht umsonst hieße es in Stellenanzeigen oft: „Frauen und Behinderte bevorzugt.“ Doch Chefredaktor Roger Köppel stellt nicht nur Weltbilder auf den Kopf, sondern auch Gottesbilder an den Pranger. Mit Vorliebe den Islam und den Islamismus, weil das für den Minarettgegner dasselbe zu sein scheint. Vor einigen Jahren sagte er in einem Interview: „Die Verlockung der Macht, das entgrenzte Ego, das sich am Ende selbst zerstört: Mich fasziniert diese Tragik.“ Schade, dass Köppel nicht nur sich, sondern gleich ein einst weltoffenes Medium mit in den Abgrund reißt.


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