Wer will schon beim Arzt der Nächste sein oder von der Ärztin eine Jacke geschenkt bekommen?

Feuilleton | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Buchkritik: Sebastian Fasthuber

Zu ihnen kommt die Krautsuppe mit dem Lift, zu uns kommt sie auf Rädern. Aber es ist dieselbe Krautsuppe, Gerda.“ Unterredungen eines alten Ehepaares, das sich weigert, zu seinen Freunden ins Altersheim zu ziehen. Früher hat man große Reisen unternommen, jetzt sind es „Die kleineren Reisen“ (so der Titel) in den Supermarkt oder zu Besuchen ins Altersheim, die geblieben sind. „Die Koffer werden kleiner im Alter. Aber es sind unsere Koffer, und die haben wir noch.“

Die sechs Erzählungen im neuen Buch von Alois Hotschnig (Jg. 1959) handeln von dem, was bisweilen verklärend als Lebensabend umschrieben wird. In der Prosa des in Tirol lebenden Kärntners findet sich nichts von Verklärung. Sie handelt von Koliken und Amnesie, Speiseplänen und Krankenhausbesuchen, dem Warten auf die Besuche der Kinder und einer leisen, traurigen Sehnsucht. Viel weiter runter als in „Die großen Mahlzeiten“, wo die Einnahme von Nahrung und Medikamenten rigide geregelt


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