Als das Christkind in die Falle tappte

Feuilleton | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Ein Band mit nachgelassenen Texten erinnert an den Wiener Schriftsteller und Bohemien Joe Berger

Würdigung: Klaus Kastberger

Er war der Mann mit dem faden Aug’ – sozusagen eine österreichische Variante von Karl Dall. In den 80er-Jahren war er in Wien oft bei literarischen Veranstaltungen zu sehen. Stets stand er irgendwie abseits, meist mit einem Glas oder einer Flasche in der Hand. Selbst lesen hat man ihn selten gehört, und wenn, dann nur in kurzen, pointierten Einschüben zwischen den anderen versammelten Autorinnen und Autoren: Texte über den Alkohol, Märchen für Erwachsene, Kurz- und Kürzestkrimis.

Schon damals hatte man das Gefühl, dass Berger aus einer anderen Zeit kommt: als das Trinken noch geholfen hat und die eigene Lebensform wichtiger war als die Segnungen des Literaturbetriebs. Ab und an tauchte sein Gesicht im Fernsehen auf: In einer Episode von „Ein echter Wiener geht nicht unter“, in einer Folge des „Tatort“, aber auch in Filmen wie „Exit … nur keine


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