In den letzten Zügen

Stadtleben | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Eine Ära geht zu Ende. Der Südbahnhof wird abgetragen

Essay: Jan Tabor

Leider ist Rudi Schicker kein Ästhet. Sonst hätte es dem Wiener Planungsstadtrat irgendwann auffallen müssen, wie einzigartig der Südbahnhof gewesen ist. Einzigartig in die Zeit und ihre spezifische kulturpolitische Topografie eingebaut, also besonders schön. In diesen Tagen wird der Bahnhof geräumt, Anfang 2010 wird er abgetragen. Ein paar hundert Meter weiter wird Wiens neuer Zentralbahnhof entstehen.

Schön wie der Süden selbst, mit dem der Bahnhof Wien, diese einst so düstere und depressive Stadt, mit dem Süden verbunden hat. Triest, Venedig, Florenz hießen die Orte der Erbauung. Aber auch Opatija, Laibach, Agram, Bukarest oder sogar Athen und Istanbul. Oder nur Semmering, aber auch der liegt bereits südlich von Wien. Zuerst nur für die Elite, dann für die Massen. Das war der Südbahnhof: elegant, großzügig, sonnig, mondän, verspielt, fröhlich und volkstümlich. Byzantinisch und barock zugleich. Und


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