Fragen Sie Frau Andrea

Knallcharge Krampus: kein Kinderschreck

Kolumnen | aus FALTER 50/09 vom 09.12.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

nächstes Jahr kommt meine Tochter Zoé in den Kindergarten. Muss ich mit bleibenden Schäden rechnen, wenn sie in ihrer Vorschulkarriere Nikolaus und Krampus nicht kennenlernt?

Desirée Hinterleitner, Neubau

Liebe Desirée,

mit einiger Sicherheit dürfte Ihrer kleinen Prinzessin die Begegnung mit dem Gut-Böse-Team des österreichischen Pantheons erspart bleiben. Es sei denn, Sie griffen auf die Dienste privater Nikolaus- und-Krampus-Darsteller zurück. Davor möchte ich warnen. In die Rolle von Teufel und Bischof schlüpfen allzugern alleinstehende Männer, die sich tiefer in ihre Rollen versenken, als es Erziehungsberechtigten lieb sein sollte.

Kinderpsychologen haben sich mit der Verbannung des Krampus aus Spielstuben und Krabbelwiesen abgefunden. Das Fehlen von nikolaudischen Kindergartenbesuchen beklagen sie dennoch. Den Nachweis, dass Bartrauschen, Mitra-Gewackel und das geheimnisvolle Wühlen in Säcken mit aufgeklärtem Heranwachsen in Einklang gebracht werden kann, bleiben sie schuldig.

Sollten Sie für Ihre Tochter den Berufsweg einer Psychotante vorsehen, wären frühkindliche Erschütterungen durch erwachsene Verkleidete kein großer Nachteil. Wie mache ich Prinzesschen, werden Sie mich jetzt fragen, mit dem Prinzip Gut/Böse vertraut? Nichts leichter als das, antworte ich Ihnen: Das heimische Fernsehen hält eine Palette bereit, die jede Schattierung zwischen Himmel und Hölle illustriert. Als Einstiegsvorlesung wollen wir an Andi und Alex aus der Küchensendung „Frisch gekocht“ erinnern. Prof. Andreas Wojta und Prof. Alexander Fankhauser spielen behände auf der Klaviatur österreichischer Abgründe. Aber auch die hohen Momente heimischer Kleingötterdarstellung wollen ihnen gelingen. Erdiger geht es im Parlament zu. Zögern Sie nicht, Ihr Töchterchen schon früh mit dem Vokabular des parteipolitischen Insults vertraut zu machen. Eine Karriere im Hohen Haus werden Sie gewiss zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Ihres Kindes Zukunft sehen, für die Sandkiste eignen sich die Mechanismen parlamentarischer Kommunikation allemal. Sollten Sie darin noch immer zu wenig lebensschulenden Krampusersatz erblicken, bliebe immer noch das Hochleistungsmalefizium „Vera“.


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