Stalins Perle

Politik | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Von Häftlingen errichtet und Privilegien erhalten, erzählt die russische Stadt Workuta wie keine zweite die Geschichte des Sowjetkommunismus. Von maßloser Unfreiheit und ihrem Scheitern

Reportage: Joseph Gepp/Workuta

Wenn du durch die Stadt gehst, sagt Alexander Kalmykow, achte auf die kleinen Holzpflöcke im Boden, du findest sie hier überall.

Sie sind tatsächlich überall, aber nur, wenn man es weiß. Sie lugen aus den Lacken der Hinterhöfe, aus den Rissen in den Gehsteigen, aus den Büschen vor den kommunistischen Denkmälern. Sie sehen aus wie kleine Baumstümpfe. Schmal, meist schlammverschmiert, ragen sie kaum sichtbar aus der Erde.

Die Pflöcke sind die letzten Überreste des Archipels Gulag, sagt Kalmykow, 60, von der Organisation Memorial, die sich der Historie russischer Straflager widmet. Die Stadt Workuta sei der wichtigste Stützpunkt des Archipels im europäischen Russland gewesen. Jetzt heben sich die Pflöcke jedes Jahr etwas mehr über die Erdoberfläche. Der Permafrost


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