Gottes Werte sind zurück, doch die Kirchen bleiben leer

Politik | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Der Philosoph Herbert Schnädelbach verfasst die wichtigsten Verteidigungen der Aufklärung im Zeitalter neureligiösen Taumels

Rezension: Sebastian Kiefer

Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt“, schreibt Dostojewski. Heißt das: Sobald niemand mehr an Gott glaubt, sei alles erlaubt? Die christliche Kirche jedenfalls war jahrhundertelang der beste Beweis dafür, dass Dostojewskis Satz, so verstanden, nur des Teufels sein kann. Dennoch wird heute wieder allerorten verkündet, dem allgemeinen Verfall der Werte, dem Mangel an Sinn und Orientierung könne nur abgeholfen werden, wenn die Religion wieder Fundament der Moral würde.

Der Philosoph Herbert Schnädelbach ist einer der wenigen, die dieser schleichenden Eintrübung von Herz, Recht und Verstand mit der nötigen Souveränität entgegentreten. Minister und Bischöfe spielen sich also wieder zu Hütern unserer christlich-abendländischen Werteordnung auf – doch die Kirchen sind leer. Es gibt keine Wiederkehr der Religion, es lebt allenfalls


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