Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Seit wann gelten Bierbäuche als ästhetisch, Herr Schorn?

In greller 70er-Badehose grinst das Bier-Pin-up in die Kamera. Unter dem Feinrippunterhemd zeichnet sich ein stattlicher Bierbauch ab, daneben steht in braunen Letter: „I am proud to be … so baut.“

Das ist Mr. Jänner des „Bier-Up“-Kalenders von Mundl-Bier. 5000 Stück werden an Industriepartner oder Journalisten geschickt und einige an besondere Mundl-Liebhaber verlost. Die Idee hinter dem limitierten Kalender: Freunde des Gerstensafts stehen zu ihrer liebgewordenen Schwäche, dem Bierbauch.

„Wir wollten keine Freaks vorführen, sondern ganz normale Menschen“, sagt Creative Director Jörg Schorn von der Agentur PKP BBDO. Das Konzept erinnert an die Dove-Kampagne, bei der gutaussehende rundlichere Frauen abgebildet wurden.

Auch der authentische Mundl-Trinker steht zu seinem Körperbau. Mister März sagt mit keckem Augenzwinkern: „Aber meine Damen: außen hart, innen zart.“

Tatsächlich kommen die Models direkt aus der Realität. Im Sommer wurde in verschiedenen Bädern in Wien und im Burgenland nach dem perfekten Mundl-Lookalike gesucht. Online konnte man die besten 30 in die nächste Runde wählen. Die zwölf tauglichsten Mundls wurden schließlich für den Kalender fotografiert.

Während des Bäder-Castings wurden extra Menschen mit dunkler Hautfarbe angesprochen, denn „bei Mundl geht es um Toleranz“, sagt Schorn. So sei es auch im Sinne des Mundl-Autors Ernst Hinterberger, dass Mister September dunkle Hautfarbe hat.

Frauen haben dieses Jahr nicht ins Konzept gepasst. Aber für nächstes Jahr ist ein „Die schönsten Mundl-Frauen“-Kalender für Schorn vorstellbar. „Das ist allerdings bezüglich Ästhetik ein heikleres Unterfangen.“ Anna Sawerthal


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